Unsere Theke gleicht einem Aquarium. Wir hören, geschweige denn sehen euch kaum vernünftig dahinter. Bei jeder Bestellung blenden uns die Lampen hinter uns. Gleichzeitig kämpfen wir mit der Musik. Von Gesprächen brauchen wir erst gar nicht zu reden.
Wir desinfizieren. Andauernd. Die leeren Flaschen stapeln sich. Der Geruch von Bier und Spaß wird abgelöst von einem, den man sonst nur aus Krankenhäusern kennt. 
Mit Masken, die unser Lächeln demaskieren, bringen wir euch Getränke. Die Leichtigkeit der Gespräche ist nicht mehr da. Etliche Wiederholung bis irgendwer irgendwen versteht. 
Es fehlt. Die Stimmung, die Ausgelassenheit, die Gespräche und Tänze. Und die Konzerte erst! Was uns ausmacht, rückt in den Hintergrund. Aber wofür wir auch stehen ist Solidarität und so ziehen wir den Scheiß samt aller Maßnahmen durch. 
Und dann kommen die neuen Regelungen um die Ecke. 1 Uhr. 23 Uhr. Und wir stehen abwechselnd sprachlos und wütend da. 
Ja, wir wollen kein Corona. Ja, wir tun alles dagegen und ja, hinter jeder Gaststätte/Kneipe stehen Menschen, die unter all den Umständen überleben wollen und müssen.
Dass wir die letzten Monate überlebt haben, liegt nicht nur an den Verkäufen, sondern vor allem an den unzähligen Spenden in Form von Geld und Merch. Diesen Zuspruch -und ja auch die Bestätigung, in den letzten 12 Jahren was richtig gemacht zu haben – zu spüren, ist unfassbar. 
Wer in den letzten Wochen durch sein Veedel oder generell durch die Stadt gelaufen ist, sieht immer mehr Papier – und Holzbeschläge an den Fenstern. Existenzen sterben. Die Straßen sind gezeichnet von der Pandemie. 
Schulen werden offen gelassen, da dort Hygienemaßnahmen eingehalten werden und wir stehen sprachlos im Laden und brüllen: Bei uns auch! Unabhängig davon, ob das sinnvoll ist oder nicht, ob wir die Hygienemaßnahmen einhalten wollen oder nicht (und ja, beides), hängt auch hinter dem Limes eine Existenz.
 
Das Limes hat in den letzten Jahren einen Raum von Sicherheit geschaffen. Jeder, der kein rassistisches, misogynes, sexistisches und menschenverachtendes Arschloch ist, hat hier seinen Platz. Immer wieder fliegen die Worte „Zweites Wohnzimmer“ durch den Raum. Freund – und Bekanntschaften wurden geschaffen. Lieblingsbands wurden gesehen, neue Bands entdeckt. Persönliche Lebensgeschichten wurden geschrieben. 
Und nein, das stellen wir nicht über eine Pandemie, aber über Maßnahmen, die wir aktuell nicht mehr als verhältnismäßig sehen können.
Menschen, die uns zur Sperrstunde verlassen, gehen dem Abend weiter nach. Bei irgendwem zu Hause. Genau dies soll doch eben nicht passieren?! Über unseren normalen Standard hinaus bieten wir hier aktuell einen sehr sicheren, hygienischen Rahmen. Schwurbler*innen fliegen konsequent raus.
 
Aber ja, nun stehen wir hier. Machtlos und müde. Und auch, wenn wir schon so viel Unterstützung von euch erhalten haben, brauchen wir sie weiterhin. Damit wir irgendwann wieder in einen Zustand von Normalität zurückfinden können. 
 
Für die, die uns unterstützen können und mögen:

 

  • Unser Café hat weiterhin mittwochs bis samstags von 14 bis 19 Uhr und sonntags von 13 bis 19 Uhr auf. Neben Kalt- und Warmgetränken, Kuchen und Waffeln, gibt es auch immer ein Wochengericht. Vegan/wahlweise vegetarisch, überwiegend regionale Produkte, alles frisch hergestellt. Wir sind vorbereitet für Kinderbesuch und ab und an läuft auch unsere flauschige Freund Sam durch den Laden. Falls ihr euch aufgrund der aktuellen Situation nicht in einem geschlossenen Raum aufhalten wollt, gibt es auch alles als to-go-Format. 
  • In den Kneipenabend geht es ab 19 Uhr. Punkrock, Bier und (wenn es der Abstand zulässt) Kicker. Wenn ihr Angst habt, vor einem vollen Laden zu stehen, schreibt uns (rechtzeitig) vorher an. Wir sind bemüht, alles und euch unter einen Hut zu bringen. 
  • Wir verkaufen weiterhin Limes-Merch. Einige Shirts (Logo vom Limes oder von Schäl Sick) haben wir noch hier. Wir haben aber auch eine Bestellliste ausliegen, also sagt einfach Bescheid – auch für individuelle Wünsche sind wir offen. Zudem bleichen wir gerade eine neue Runde Shirts. Da das letzte Mal die Hälfte der Shirts innerhalb einer halben Stunden verkauft waren, legen wir uns dieses Mal wieder richtig ins Zeug. Wir geben euch hier Bescheid.
  • Private Feiern sind im Limes prinzipiell auch möglich. Da aktuell jedoch nur 10 Leute erlaubt sind, ist eine weitere Ausführung hier wohl wahrscheinlich hinfällig. Wer sich trotzdem informieren möchte, kann sich gerne an die Thekenkraft des Vertrauens wenden.
  • Wir versuchen, im Rahmen der Möglichkeiten, Veranstaltungen zu installieren. Ein schwitziges Konzert wirds nicht, dafür aber Lesungen sowie unser Klassiker „Klugscheißen für Schnaps“ mit unserem wundervollen No Limit. Er informiert über facebook immer den aktuellen Stand bzgl. Anmeldungen und Umsetzung. 
  • Zuletzt unser Spendenlink. Ja, es gibt ihn noch. Wer sich dort verewigen kann und möchte, hier lang: https://paypal.me/pools/c/8nDcYx4GCf.
 
Neben all diesen finanziellen Optionen, die nunmal unerlässlich sind, damit der Laden weiter steht, freuen wir uns einfach, euch wiederzusehen. Und nein, das ist keine blöde Floskel. In den letzten 12 Jahren haben sich Bekannt- und Freundschaften entwickelt. Auch wenn wir nur Vor- oder Spitznamen kennen, fehlen uns die Gespräche.  Genauso freuen wir uns natürlich über jedes neues Gesicht. 
 
Falls ihr bis hierhin gekommen seid: Chapeau! Danke fürs Lesen! 
 
Wir hoffen sehr, dass es euch und euren Liebsten gut geht. Wenn euch die Decke auf den Kopf fällt (dunkles, graues Wetter kann gemein sein), kommt vorbei. Wir sind da – noch. Passt auf euch und andere auf und haltet euch die Hygienemaßnahmen. Dann dauert es umso kürzer, bis wir uns bald wieder richtig sehen können! 
 
United we stand! 
 
PS: Support your local scene! Da wir nicht alleine in dem Schlamassel hängen, denkt bitte auch an die anderen subkulturellen Läden hier in Köln – wie beispielsweise den Sonic Ballroom oder das Trash Chic. Auch diese kämpfen aktuell unter den erschwerten Bedingungen. Lasst denen mal ein wenig Kohle da, falls ihr die Möglichkeit habt! 
Zuletzt möchten wir noch die Menschen von „Night of light“ erwähnen, die durch ihre deutschlandweite Aktion im Sommer auf die dramatische Lage der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam macht. Danke!
 
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