1 Jahr. 14.03.2020.

Vor genau einem Jahr wurde das Limes in seiner Ursprungsform lahmgelegt. Der letzte Kneipenabend. Wir hatten noch gehofft und gebangt, dass uns allen dieser ominöse Virus erspart bleibt. Dann war Stille und Dunkelheit. Im Limes und in den Köpfen. Plötzlich befindet man sich in einer Pandemie. Was zur Hölle macht man da? Stillstand war keine Option – Mieten und diverse Gastroausgaben blieben ja auch nicht stehen. Ende März ging dann der Fensterverkauf los – bis heute. Unser Café wurde plötzlich zum Schwerpunkt. Mitte September bis Ende Oktober konnten wir sogar kurzzeitig noch einmal öffnen. Endlich wieder ein „voller“ (37 Personen) Laden. Unsere Theke wurde zum Aquarium, strenge Sitzpläne wurden erstellt, ein dezenter Arztpraxengeruch benebelte den Raum. Zufällige Bekanntschaften und Gespräche blieben aus, niemand lag sich mehr in den Armen, kein schwitziges Tanzen und Pogen, aber endlich sahen wir wieder alte und neue Gesichter. Konnten Geschichten tauschen.

Dann wurde das Limes wieder duster. Seitdem kommt nur noch am Wochenende Licht durchs Fenster herein. Damit die leere Bühne nicht so traurig aussieht, steht dort jetzt unsere Siebdruckmaschine, um T-Shirts und Pullis zu fertigen. Das macht zwar Spaß, kann jedoch keine Band ersetzen. Hoffentlich.

Politisch betrachtet fühlen wir uns mächtig verarscht. An anderer Stelle haben wir uns darüber schon etwas ausgelassen. Falls es euch interessiert (und bitte interessiert euch dafür!), schaut in diesem Zusammenhang u.a. mal bei AlarmstufeRot – Initiativen & Verbände der Veranstaltungswirtschaft sowie bei den Posts „Kölner Erklärung“ von der IG Kölner Gastro rein. Vor allem Letztere fassen ganz wunderbar die aktuelle Situation in Köln zusammen. Denn nicht nur Corona, sondern auch neue Bebauungspläne der Stadt Köln bedrohen die Gastronomieszene – siehe bspw. die „Frieda“ im Belgischen Viertel. Ihr wisst vermutlich alle, wie Ehrenfeld mittlerweile aussieht. Ein einziger kultureller Abriss. Informiert und solidarisiert euch, damit dies nicht weiter passiert!

Wie wir hier immer noch stehen? Existenzangst und Unterstützung.Existenzangst treibt an und macht gleichzeitig so müde – und reicht alleine auch nicht aus. Dass das Limes noch steht, liegt vor allem an all den Personen, die uns durch Besuche, Käufe und Spenden unterstützt haben. Durch einen Spendenaufruf eines Gastes im Frühjahr sowie unserem eigenen Aufruf im Herbst letzten Jahres kam eine Menge zusammen. Diese Form der Dankbarkeit ist noch immer nicht in Worte zu fassen. Es geht dabei eben nicht nur um die finanzielle Unterstützung, sondern auch einfach um das immense Maß an Soli, die dem Limes entgegengebracht wurde. Das ist nicht greifbar. Sehr viele Menschen möchten, dass wir hier bleiben. Unendlich viel Dank dafür!

Denkt bitte auch an all die anderen tollen Gastronomien hier, die ebenfalls am Kämpfen sind. Hättet ihr diesen Monat die leckeren Chili Cheese Fries vom Trash Chic gegessen? Burger beim Café Vreiheit? Udon Nudeln beim Nobiko-Dinner? Kölsch in der FRIEDA Bar getrunken? Ein Kettenfett im Sonic Ballroom? Dann lasst diesen mal ein bisschen Liebe und eine Spende da. Bei vielen Läden kann man auch wunderbare Merch-Kleidung ergattern. Quasi eine Win-win-Situation.

So bleibt die Hoffnung, dass wir nach dem Scheiß noch alle stehen!

Zuletzt.. und der Punkt ist uns sehr wichtig. Gebt Acht aufeinander. Ja, jeder hat gerade sein Päckchen zu tragen. Aber wenn ihr die Kapazitäten gerade habt, schaut euch mal in eurem Freundes- und Bekanntenkreis um. Depressionen und Angststörungen wachsen und intensivieren sich gerade. Auch häusliche Gewalt. Von wem habt ihr lange nichts mehr gehört? Wer zieht sich gerade vermehrt zurück? Schreibt dieser Person, auch wenn es „nur“ ein kleines „Ich denke an dich“ ist. Geht eine Runde spazieren, spielt eine Partie Backgammon am Mäuerchen. Man muss nicht immer reden, aber seid da, wenn ihr könnt. Wenn es dir gerade schlecht gehen sollte und niemand in Reichweite ist, dem du dich anvertrauen magst oder kannst, bieten beispielsweise folgende Beratungsstellen via Telefon, Mail und/oder Chat Unterstützung:

Telefonseelsorge: 0800/1110111 oder 0800/1110222

Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen: 0800/0116 016

Hilfetelefon – Gewalt an Männern: 0800/1239900

In diesem Sinne: Lasst uns alle zusammen durchhalten! Passt aufeinander auf und lasst auf euch aufpassen. Irgendwann haben wir es geschafft und dann stoßen wir mal ordentlich zusammen an!

Euer Limes

 
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